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Anjas Tagebuch des Shanty Segeltörns vom 09.06. - 12.06.2000
1. Tag, Freitag 09.06. 15°° Uhr Treffpunkt bei Helmut. Mit Pkws fahren wir bis nach Holland / Enkhuizen. Die erste Besatzung kommt um ca. 20:30 Uhr da oben an und sucht schon mal das Schiff, die „Anna Catharina". Unzählige Schiffe liegen im Hafen. Susi, Anja, Michaela, Winni und Sigi „entern" schließlich das Schiff. Der Skipper hat einen Zettel hinterlegt, dass er beim Einkaufen ist! Wir räumen schon mal unsere Klamotten ein und warten auf die Anderen. Der Skipper kommt auch an Bord, er heißt Jost und sein Hund Jeany, ein ganz braves Vieh, welches aber nicht gefüttert werden darf, weil er sonst Durchfall kriegt. Die restliche Mannschaft trudelt auch ein: Helmut, Christa, Herbi, Frieder, Walter, Franz, Charly, Norbert und Jochen. Nun sind wir seetüchtig. Nach der anstrengenden Fahrt wird erstmal gegessen und das „Fahrbier" zu sich genommen. Abends ging's noch in eine Hafenkneipe.
2. Tag, Samstag, 10.06. 7°° Uhr. Es rumpelt und rammelt im Schiff, als wenn eine Elefantenherde dadurch rennt! Die Männer wollen duschen, aber es gibt nur 2 Duschen; wer zuerst kommt, duscht zuerst! „Moses" Anja wird von dem Gerammel wach gerüttelt. Zwar etwas unsanft, aber nun denn ........ Dafür kann Matrose Helmut ein Lied von den morgendlichen „Darmgeräuschen eines jeden auf dem Herrenthron singen! Tja, nachdem alle satt und einsatzbereit sind, hat noch keiner den Skipper gesehen. Unsere beiden Frühaufsteher Franz und Charly hatten uns extra frühzeitig aus den Kojen geworfen, damit wir pünktlich auslaufen und noch mal Fahrbier besorgen konnten. Um 10°° Uhr kommt der Skipper völlig gestresst, kurzatmig und mit hohem Puls - er musste doch erstmal mit seiner Marianne die schönen Seiten des Lebens ausprobieren ......... 11°° Uhr. Wahnsinn, wir laufen aus auf hohe See. Ahoi, Kameraden. Die Segel werden gesetzt, aber der Wind wollte noch nicht so richtig. Jost erklärt den Männern kurz, wie die Segel gesetzt werden, einige haben ja schon Seeerfahrung und dann geht's los. Solange der Wind noch ruhig ist, sonnen wir uns, geigen ein paar Lieder, Akkordeons haben wir ja genug (5 Stück) und der Skipper findet das ganz toll. Langsam wurde der Wind stärker und es gab ganz schöne Wellen. Die Segel wurden immer wieder gekreuzt, es war lustig bis wir Abends im Hafen von Lemmer ankommen. „Moses" hatte sich schön das Gesicht verbrannt, obwohl wenig Sonne tagsüber war. Wir lernten die Schiffseigentümerin von unserem Kahn kennen. Wir dachten zuerst, dass Jost in jedem Hafen eine andere Freundin hatte, aber es war seine Chefin. Alle zusammen gingen wir ins Restaurant zum essen. Da in Holland grade die EM ausgetragen wurde, konnte man alle Dinge Kaufen die Orange waren, z.B. auch T-Shirts und Trommeln. Helmut und Norbert brauchten so was auch. Als Fans muss man das haben, und somit standen 2 Shanties mit orangefarbenen Cappies, T-Shirts und Trommeln mitten im Restaurant, hey, hey! Um das Essen zu verdauen, machten wir noch mal einen kleinen Spaziergang durch Lemmer und gingen zurück an Bord. Die Chefin musste doch mal was von dem 5-L-Kanister Obstler probieren. Er hat ihr auch sehr gut geschmeckt, nur das Bier aus dem 5-L-Fässchen von „Moses", welches schon etwas abgestanden war, das schmeckte ihr nicht so (außerdem war es pisswarm!) Christa wollte auch mal ein „Pippibier" probieren, aber das war auch nicht so ihr Fall. Sie meinte, es wäre ja schon schlecht. Also killten wir einige Bierdosen und ca. 4 Flaschen Rotwein von Sigi und Michaela, mit Aspirineinlage, das gab wenigstens keinen Brummschädel! Es wurde alles getrunken, Hauptsache es brummte ......... Wenn Shanties schon mal unterwegs sind auf große Fahrt, gibt's natürlich auch ein Hafenkonzert, logo ..... Nachdem Norbert und Helmut auch die jungen Leute vom Nachbarschiff motivierten mitzusingen, wurde es richtig toll und gemütlich. Doch um 23:20 Uhr kam so'n blöder Deutscher Knispel und beschwerte sich über unsere Musik, so'n Sack!! Also mussten wir aufhören, Schade. Aber einige Shanties schafften es dich bis zum Morgen um 2°° Uhr, als dann ein „kleiner" Bordgeist die nächtliche Ruhe plötzlich störte, indem er kichernd durchs Schiff rannte und seine Koje suchte!
3. Tag, Sonntag 11.06. Charly und Franz haben sich etwas in der Uhrzeit vertan. Franz dachte es wäre schon 8:30 Uhr, aber es war erst 7°° Uhr. Also waren alle pünktlich wach zum Frühstück, die Reste vertilgen. Wir hatten ja noch so viel ......! Langsam verlassen wir den Hafen nur, nachdem unsere Männer nach dem Lied „Billy Riley" versuchen im Rhythmus die Segel zu setzen. Doch der Skipper schreit: „Das geht zu langsam, was macht ihr denn da?" Schade, also dudeln wir was anderes. Mit Gesang und Akkordeonklängen geht's aufs Meer raus. Oh wir haben Heute Windstärke 6. Mit vollen Segeln kreuzen wir durch die See. Echt Klasse und es klappt alles wunderbar. Alle laufen so schief durchs Schiff, es ist echt lustig. Mittags haben alle Hunger. Naja, das „Fahrbier" ist eben irgendwann mal durchgeflutscht. Charly, unser Smutje, und „Moses" versuchen bei dem Seegang eine 3 Kg schwere Würstchendose zu öffnen, war gar nicht so einfach. Sigi musste auch noch helfen. Nachdem nun 3 „starke" Männer die Dose auf hatten, kam das nächste Problem. Einer musste den Topf festhalten, sonst wäre er vom Ofen geflogen. Aber Frieder hatte die Super-Idee den Topf fachmännisch mit einer Leine festzubinden, und das ging wie verrückt. So konnten wir uns stärken. Nachdem unser Skipper anständig gegessen hatte, tauchte er den Kahn volles Rohr in die Wellen. Er nutzte alles aus, was der Wind so gab. Es war eine „Höllenfahrt" übers Ijsselmeer. Das Schiff knarrte und ächzte durch die Wellen, sehr aufregend, echt Klasse! Der Skipper war mit Leib und Seele Segler, und bei der Supermannschaft ....... Das Schlimmste war, unser „Fahrbier" ging zur Neige. Die Männer dachten nur an eins: Wir werden einen qualvollen Seemannstod erleiden, weil wir verdursten müssen, oh wie schrecklich. An alles hatten wir gedacht: Äpfel und Bananen gegen „Skorbut", Rotwein mit Aspirineinlage gegen Brummschädel. Norbert meinte beim Frühstück noch so: „Ich hatte gehört, man kann für'n Appel und 'n Ei in Holland in 'nen Hafenpuff gehen." Tja, Eier hatten wir auch noch, das war alles kein Problem; aber wir hatten zu wenig Fahrbier eingepackt. Deshalb musste Winni das „Pippibier" austrinken. Da hatten wir ja noch ca. 2 Liter von, aber es durfte nichts umkommen. „Moses" wollte es an die Fische füttern, aber Winni meinte: „Bist du denn verrückt, alles ist Kostbar von dem gelben, warmen Gesöff!" Nachdem die Dosen nun alle leer waren, blieb nur noch eine Chance. Wir hatten noch 4 Liter Obstler und den großen Käse von Manfred. Der arme Kerl, der zu Hause im Krankenhaus liegen musste. Aber bei jedem Schluck gedachten wir an unsere Shanties Manfred und die arme Doris, die nicht mit gefahren war, weil ihr Mann nicht See- und Hundefreund war, schade! Deshalb wurde auf dieser Tour nun auch noch unter der Leitung von Sigi Heinicke der Ippinghäuser Damen-Shanty-Chor gegründet. Mitglieder sind bisher unser „Moses" und Susi. Da wir einige Probleme mit dem Gesang hatten, musste die Stimme geölt werden. Moses kam die glorreiche Idee Obstler und Cola zu mischen. Hauptsache es ölt und brummte, außerdem hatten wir dann noch was gegen das frieren! Das erste Getränk von Winni gemischt, war mehr Cola und wenig Obstler, das zweite Getränk war schon weniger Cola und mehr Obstler, das dritte Getränk wurde von Frieder gemischt, und das war nur noch Obstler und 1 Schuss Cola. Sigi, der diese Mischung doch so abartig fand, war plötzlich völlig neben der Kappe und verschwand auf nimmer Wiedersehen in seine Koje! Oh, oh,......... Abends um ca. 22°° Uhr kamen wir völlig entkräftet im Hafen von Medemblik an. Aber es findet sich doch noch - Gott-Sei-Dank - ein 5-L-Fässchen Bier im Kühlschrank. Der Abend ist gerettet. Sofort stürzen alle auf das Fässchen und den Käse. Danach Hafenbummel, in ein Hafenkneipe mit Rockmusik. Sigi hütet Heute das Schiff in seiner Koje ...... Der Skipper ist bei seiner Marianne. Es sollte nur kurz werden (weil er den Motor vom Schiff laufen lässt), jedoch artet das ganze Spiel aus und die Aktion wird länger und somit läuft der Bootsmotor die ½ Nacht (er hat uns vergessen). Und wieder kommt ein „Knispel" vorbei und beschwert sich bei unseren Shanties, sie sollen gefälligst den Motor ausmachen. Aber das keiner einfach so was macht, läuft der Motor eben weiter. Die letzten Shanties kehren aus der Hafenkneipe so um 2°° Uhr zurück. Aber da der Durst noch immer nicht gestillt ist, Gott-Sei-Dank sind noch 2 Flaschen Rotwein da. Naja .......... die müssen dran glauben.
4. Tag, Montag 12.06. Frühstück, Reste essen, Gruppenbild. Heute hatte unsere Männer Probleme die Segel zu setzen. Der „Billy Riley" fehlte, auf geht's Richtung Heimathafen Enkhuizen. Bei Windstärke 7 geht's voll rund. Das Wasser spritzte aufs Schiff. Eine Seite vom Schiff liegt fast im Wasser. Trotzdem hält uns das nicht davon ab, an Deck Akkordeon zu spielen. Als „Moses" mit der Kiste an Deck klettern will, kommt eine Welle und tauft das Akkordeon. Seit dem haben wir einen Kasten, der heißt nun „Ijssel-Anton". Außerdem braucht „Moses" Kopfschutz und bekommt von Norbert den Südwester auf die Birne. Man das sieht cool aus, wie „Grisu der kleine Drache" ..... Norbert, Winni und „Moses" studieren ein Lied aus der „Arschgeige" ein, den „Rudi ral-la-la" - Norbert mit der „Erika" und „Moses" mit dem „Ijssel-Anton". In 15 Minuten hatten wir's voll drauf! Die nächste Krönung war, der Riss vom Segel ganz vorne. Die Öse war rausgebrochen. Winni, Helmut und Susi krabbelten da vorne herum und holten des Segel ein. Wir segelten etwas langsamer, aber trotzdem war es aufregend. Um 17°° Uhr laufen wir in den Hafen ein, packen die Autos voll und fahren Heim. 22°° Uhr Ankunft in Ippinghausen, schnell umziehen und Gang zum Ippinghäuser Schützenfest, wo wir vom Schützenverein „freudestrahlend" empfangen werden!
Schönen Gruß von „Moses" Anja
P.S. Eine kurze Anmerkung noch zu Anjas tollen Bericht. P.P.S. Recht hat er und auch er soll für seine Opferbereitschaft hoch leben! |
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